Archive for the 'Web 2.0' Category

Christoph Huebner

Blogvision 2010

Bis 2010 isses ja nicht mehr allzu lange hin. Deswegen lehne ich mich mit dieser meiner Vision auch hoffentlich nicht allzu weit aus dem Fenster.

2010 wird das also (endlich) so ein: Jeder meiner Buddys hat so ein Blog. Ich habe überall den RSS-Feed abonniert und alle haben meinen Feed abonniert. Jeder schreibt regelmäßig, was sie oder ihn gerade beschäftigt, welche Dinge sie oder er gerade plant oder was eben sonst so für den Freundes- und Bekanntenkreis interessant sein kann. In Verbindung mit weiteren Diensten wie plazes bin ich immer auf dem Laufenden, was gerade bei wem wo geht. Das hat einige hat viele Vorteile:

  1. Ich kann in persönliche Gespräche mit den anderen Bloggern auf einer viel höheren Ebene einsteigen. Ich weiß, womit sich mein Gegenüber gerade befasst, bin also vorbereitet und habe mir evtl. sogar schon einige Gedanken darüber gemacht. Wir können also gleich in medias res gehen und uns lange grundsätzliche Erklärungen sparen. Das macht Gespräche effektiver, denn ich kann die zur Verfügung stehende Zeit effizienter nutzen.
  2. Umgekehrt wissen meine Gesprächspartner schon weitgehend, welche Themen mich gerade beschäftigen. Ich muss mir also nicht merken, wem ich was schon erzählt habe, sondern brauche die wesentlichen Dinge alle nur einmal in meinem Blog posten. Damit wird aus meiner Informationsbringschuld eine Holschuld und falls jemand nicht bescheid weiß, kann ich ihn (oder sie) einfach auf mein Blog verweisen. ”Das ist die Adresse, lies selbst nach!” :-)
  3. Ich kann auch Leute erreichen, die ich für themenfern gehalten hätte. Oder konkreter: Ich kann ja nicht mit jedem alles durchsprechen, was gerade irgendwie für mich von Bedeutung ist. Stattdessen spreche ich Themen an, bei denen ich davon ausgehe, dass mein Gesprächspartner Ahnung oder weitergehende Kontakte hat. Wenn ich nun zum Beispiel für den Hauke jemanden suche, der weitestgehend mit der Produktion und dem Vertrieb von Sportgeräten befasst ist, oder für den Ben jemanden, der sich mit Heimarbeitsplätzen auskennt und dieses Wissen in den Vereinigen Arabischen Emiraten anwenden will (beides aktuelle, echte Beispiele!), dann spreche ich erst einmal Leute an, von denen ich glaube, dass sie mir helfen können. Bei derart weit gefassten Aufgabenstellungen kann das aber im Prinzip jeder sein. Jeder, der mein Blog liest…
  4. Der Kontakt wird eher gehalten, auch wenn man sich rein physisch aus den Augen verliert.

Philipp Bohn beschreibt bei Berlecon unter dem Titel “Web 2.0 oder: Kampf der täglichen E-Mail-Flut!” einen weiteren Aspekt zu diesem Thema. Das hier ist der für mich wesentliche Ausschnitt: “Innovative Web 2.0-Technologien wie Weblogs oder Wikis können eine sinnvolle Ergänzung für den massenweisen Austausch von E-Mails sein und die Informationsflut beherrschbarer machen. Einer der zentralen Vorteile von Blogs und Wikis ist die Kanalisierung des Informationflusses. So setzen aus Sorge, doch noch jemanden vergessen zu haben, viele E-Mail-Schreiber sicherheitshalber alle Abteilungskollegen und Kooperationspartner ins cc. Es bleibt dann dem einzelnen Empfänger überlassen, über die Relevanz der Nachricht zu entscheiden. Die Verbreitung von Informationen auf Blogs und Wikis gibt den Mitarbeitern dagegen die Möglichkeit, aktuelle Nachrichten gemäß ihren Interessen mit Hilfe von RSS-Feeds und Newsreadern zu abonnieren – aus einer oft missverstandenen “Bringschuld” der Sender wird so eine größere Wahlfreiheit der Empfänger.”

Und das war nur der geschäftliche Teil. Genauso relevant ist es im privaten Bereich zu wissen, wer gerade wieder solo ist oder wo im Freundeskreis ein Umzug ins Haus steht und Helfer gebraucht werden. Besser rechtzeitig bescheid wissen, als kurzfristig einen Anruf bekommen, wenn’s brennt! Fangt also bitteschön jetzt alle Euer eigenes Blog an, ja?

Christoph Huebner

Schneller Wochenrückblick

Ja, ich bereue. Ich wollte die ganze Woche schon meine “Blogvision 2010″ posten, wie ich das letzten Sonntag angekündigt habe. Aber es war viel los und so bin ich nicht dazu gekommen. Dafür habe ich jetzt ein bisschen mehr zu berichten und die Vision kommt anschließend. Chronologisch sieht das so aus:

SkyBeach 30.04.2007Sonntag, 29.04.: Ich hatte mal wieder einen großen Tisch für 12 Leute im Amadeus in Stuttgart bestellt und ein paar Leute darüber informiert. Da gibt es ein gutes Brunch-Buffet und eine nette Atmosphäre. Ein guter Rahmen also, um interessante Menschen zusammen zu bringen, sie sich vorher noch nicht kannten. Entsprechend hatten wir spannende Gesprächsthemen und einen netten Vormittag bei herrlichem Wetter an unserem Tisch im Innenhof. Sobald der nächste Termin feststeht, werde ich das diesmal auch hier veröffentlichen!

Anschließend ging’s weiter zum Frühlingsfest auf den Cannstatter Wasen zum durchschütteln lassen (Wildwasserbahn und so’n Rotationsteil “um x-, y- und z-Achse”), schießen (ich habe völlig versagt!) und zum Schluss nochmal auf ein Desperados auf den SkyBeach.

Inspektion der LützelburgDienstag (Tag der Arbeit)Baggersee und Frankreich mit Jan. Erst haben wir uns ein bisschen Papier zum Lesen geschnappt und sind an den See gefahren. War ein bisschen windig und bei dem Sand/Staub nicht so ganz optimal. Aber trotzdem toll. Wir beide waren auch die einzigen im Wasser. Komisch eigentlich, war doch “schön warm”… :-) Außerdem gibt’s da große Sandberge und alte Blechschilder, mit denen man die Sandberge hinabsurfen kann. Oder es zumindest versuchen…
Danach sind wir mit dem Ziel nach Frankreich gefahren, uns dort beim Durchfahren mit leckeren Flammkuchen bewerfen zu lassen. So kommt einem das ja für gewöhnlich vor, wenn man durch’s Elsass fährt: An jeder Ecke eine Kneipe, die so lange immer neue Flammkuchen auf den Tisch stellt, bis man glaubwürdig genug protestiert. Nicht aber am ersten Mai! Alles zu, nirgends Flammkuchen. Und wir haben Hunger. Auf der verzweifelten Suche nach Essen haben wir in Lützelburg eine schicke alte Ruine entdeckt. Dagegen kann die von Forchtenberg einpacken! Und in Phalsbourg haben wir dann auch tatsächlich einen “Flammkuchen” bekommen. Der war zwar mächtig verbrannt und hatte mehr Gemeinsamkeiten mit einer Pizza. Aber wenn man schon ein Loch im Bauch hat…

Donnerstag: Mein erster Vortrag in Second Life! Wolfgang Tischer hat in der Vertretung des Landes Baden-Württemberg einen Vortrag Web 2.0 und das Verlagswesen gehalten. Das Thema haben wir ja schon x-mal durchgekaut. Aber die Präsentationsform war neu für mich. Und ich bin begeistert! Es war für mich überhaupt erst das zweite Mal, dass ich mich in Second Life aufgehalten habe. Vor ein paar Wochen habe ich mich mal registriert, bin aber über die Training-Area nicht hinaus gekommen. Fasziniert bin ich auch davon, dass die Landesvertretung wie sie in Berlin steht quasi 1:1 nachgebaut wurde. Aber viel mehr inspiriert hat mich das Medium. Dass Second Life mehr ist als eine Spiel- und Freizeitplattform ist mir schon länger klar. Welche Möglichkeiten sich aber dadurch ergeben, dass für einen solchen Vortrag das Raumgefühl und die Interaktion mit den anderen Teilnehmern so realisistisch imitiert werden kann, ist mir am Donnerstagabend erst bewusst geworden. Ein wichtiges Argument für First Life-Seminare und -Schulungsveranstaltungen sind ja überwiegend nicht die Inhalte, sondern das Socializing: Die Unterhaltung mit den anderen Teilnehmern in der Kaffeepause und abends beim Bier. Überwiegend dafür werden die Reisekosten ja produziert. Mit Second Life kann das aber alles unter einen Hut gebracht werden: Inhalte, Socializing, keine Kosten für Anfahrt(-szeit) und Übernachtung und dazu noch nebenherHemden bügeln, Bier trinken und ungepflegt aussehen. Hallo Zukunft, wir kommen!

Freitag: Die hab ich mir bestellt: Canon IXUS 70 Digitalkamera (7 Megapixel) schwarz. Morgen wird sie wohl geliefert. Damit kann ich meinen flickr-Account endlich richtig zum Leben erwecken! Auch wenn mir meine beiden Analog-SLRs (zwei Canon EOS 50E mit diversen Objektiven (u.a. ein 85 mm/1.4) und viel Zubehör, eingelagert bei meinen Eltern)  fehlen, wie ich gestern beim Burgseminar wieder gemerkt habe. Fotografieren ist eigentlich meine große Leidenschaft, ich komme nur nicht mehr dazu. Vielleicht nehme ich die Ausrüstung mit nem Packen Schwarzweißfilme nach Bulgarien mit. Mal schauen.

Trauben auf dem BurgseminarFreitag/Samstag: Seminar auf der Burg Windeck. Interessante Vorträge, nette Leute, gutes Essen, tolles Ambiente, interessante Gespräche, schönes Wetter. Eine rundum gelungene Veranstaltung eben.

Jetzt geh ich joggen (wie immer: am Rheindamm bei Greffern) und heute Abend blogge ich meine Blogvision 2010. Versprochen.

Christoph Huebner

Ich hab da was - das könnte Dich interessieren!

Oder: Die Macht des Netzwerks.

Es ist doch faszinierend, welche Informationsvielfalt im persönlichen Netzwerk schlummert. Man muss nur mit ein paar Leuten darüber sprechen, was einen gerade so beschäftigt, welches Thema einen umtreibt oder an welcher Geschäftsidee man gerade strickt. Und plötzlich hagelt es Informationen in einer Tiefe und Breite, wie man sie durch eigene Recherche mit vertretbarem Aufwand nie bekommen würde.

Mich beschäftigt zum Beispiel gerade mehr hobbymäßig ein neuartiges Produktkonzept im Erotikfilmgeschäft. Das Übliche wie immer: Junge Zielgruppe, hochwertige Produktion, coole Marke. Mehr könnte ich verraten, aber dann müsste ich Dich erschießen. Ein paar ausgewählten Leuten war es das Risiko dennoch wert und ich habe von der Idee erzählt. Und plötzlich landen hier ganz brauchbare Informationen über dieses Marktsegement, über Wettbewerber und Trends der Branche.

Zum Beispiel darüber, was Frauen von Pornofilmen erwarten: “Artcore statt Hardcore“, darüber wo die Reise allgemein hin geht: ”Mit Hochglanz gegen den Web-Trash” und über exotische Experimente amerikanischer “Kollegen”: Elfen-Erotik.

Die Erkenntnis: Ja, unsere (wir sind zu zweit) Idee geht in die richtige Richtung. Da muss Potenzial da sein - vor allem, wenn man auch mit Elfen-Erotik Geld verdienen kann.

Die Übererkenntnis:  Ein echtes soziales Netzwerk ist besser als jedes Google und del.icio.us zusammen. Oder vielleicht ist diese Funktion des Netzwerks auch genau das, was die Summe von Google und del.icio.us wäre…? Denn eigentlich ist es nichts anderes, als eine menschlichere Form des Social Bookmarking verbunden mit einem Crawling und einer Gewichtung nach Relevanz. Ich sage einer Peer Group, welches Thema mich interessiert, dieses System VERSTEHT, was ich meine und liefert mir genau dann Antworten, wenn es selbst auf sie stößt (oder sie schon hat). Es hat also neben der Google-Standardsuche noch etwas vom News-Suchagenten.

Vielleicht bringen diese Gedankengänge Webentwicklungsgurus wie den Sascha, den Marco oder den Heiko jetzt auf DIE Idee für die Killer-Application der Zukunft? Oder ist das einfach nur das, worüber sich Google tagtäglich Gedanken macht? Oder schon längst gemacht hat und jetzt nur die vielen persönlichen Daten über meine Interessen sammeln muss, damit ich nicht einmal mehr fragen muss, sondern die Antworten schon vorher bekomme? Oder gibt es gar schon einen Dienst, der soetwas gebündelt leisten kann?

Christoph Huebner

Googlezonsoft - wollen wir das wirklich?

Gestern Abend hatte ich eine interessante Diskussion im Löwenbräukeller in Karlsruhe mit Ralf Klein von der Agentur 110 Prozent. Es ging unter anderem um die Frage, welche Allmacht uns künftig seitens Google erwarten wird und wie wir damit umgehen wollen. Ausgehend von Google Epic haben wir doch sehr unterschiedliche Auffassungen von Machtkonzentration und Datenschutz.

Ralf fände es toll, wenn es einen großen Anbieter gäbe, der alle Informationen über ihn sammelt und entsprechend immer und überall für ihn interessante Angebote unterbreitet. Dann muss er nicht bei 25 unterschiedlichen Web 2.0-Anwendungen unterschiedliche Profile verwalten. Außerdem wird die Datenaggregation effektiver, weil dieses System ja alle Vorlieben in allen Lebensbereichen kennt. Das bedeutet, dass alle Sucheingaben, privaten Mails, Aktivitäten in Business- und Freizeit-Communities, Flirtportalen und dergleichen mehr zentral gescannt, ausgewertet, interpretiert und gespeichert werden. So lange der Anbieter einer ist, dem er heute vertraut, hat er kein weiteres Problem damit.

Ich habe vor soetwas Angst. So sehr ich Kapitalismus und Marktwirtschaft befürworte: Eine derartige Daten- und somit Machtkonzentration fordert den Missbrauch durch die Anbieter selbst und natürlich durch staatlichen Zugriff regelrecht heraus. Ich habe ganz bewusst keinen Google-Mail-Account, weil ich es scary finde, wenn mir Anzeigen passend zum Inhalt der Mails, die mir andere schreiben, angezeigt werden. Ich habe ein ungutes Gefühl dabei, wenn jemand (oder “etwas”: das System!) alles über mich weiß. Heute. Und: Das Internet vergisst nichts. Was kann morgen und übermorgen mit diesen Daten noch alles passieren?! *schauder*
Ich pflege lieber 25 unterschiedliche Profile (mit unterschiedlichen Ausprägungen, je nach Umfeld: XING vs. Sklavenzentrale). Da kann ich dann einschätzen, wer was über mich weiß und woher Produktempfehlungen kommen. Wenn mir Amazon als Toptipp das Kommunistische Manifest empfiehlt, dann weiß ich, dass es daher kommt, weil ich einmal die Biografie von Rudi Dutschke bestellt habe. Wenn mir das aber ein Googlezon als Ergebnis der Analyse aller meiner Interessen empfehlen würde…
Und gar nicht davon zu sprechen, was passieren würde, wenn das Finanzamt Zugriff auf diese Datensammlung bekäme!

Wir haben jedenfalls vereinbart, dass wir die Diskussion fortsetzen werden. Einen Königsweg gibt es wohl nicht, aber es ist interessant, die einzelnen Teilaspekte aus den unterschiedlichen Betrachtungswinkeln zu diskutieren.

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