Ich habe mir jetzt diesen Reiseführer und diese Landkarte von Bulgarien als erste Reisevorbereitung zugelegt. Der Reiseführer ist gute 500 Seiten stark und rät gleich ganz vorne davon ab, mit dem eigenen Fahrzeug nach Bulgarien zu fahren. Gründe sind einerseits die Kriminalität und andererseits die Probleme beim Transit dorthin. Was in meinem Fall noch dazu kommt, sind die mindestens 5.000 Kilometer zusätzlich, die ich dem MINI da zumuten würde. Und das, wo ich doch jetzt schon nach 14 Monaten gute 12.000 über dem Soll nach Leasingvertrag bin…
Daraus ist am Wochenende zusammen mit dem Jan die Idee entstanden, einen alten VW-Bus, Modell T3, ausgebaut als Wohnmobil, für wenig Geld zu kaufen und ggf. hinterher wieder zu verkaufen. Damit kann man dann aber auch auf Festivals (das Melt wäre vom Termin her ein schöner Einstieg vor Bulgarien) fahren und das Teil zwischendurch als Bandbus an Leute wie den Dominic günstig vermieten. Uns beide hat die Idee begeistert. Wer also so eine Höllenmaschine zu verkaufen hat, ist herzlich eingeladen, sich zu melden. Tipps und Tricks sind ebenso willkommen.
Abends habe ich dann beim Grillen die Idee noch mit drei KFZlern in Stuttgart besprochen. Es spricht wohl grundsätzlich nix dagegen, für 2.000 Euro einen VW Bus mit 190.000 Kilometern zu kaufen. 50 PS, Diesel. Eine Höllenmaschine also. Da ist der Weg das Ziel!
Es könnte nur sein, dass eins der Transitländer schon schärfere Umweltschutzrichtlinien hat als wir. Das könnte die Durchreise problematisch machen. Das muss man eben klären.
Anfang Januar hat mich ein Nachrichtensprecher im Radio mit der Information überrascht, dass Bulgarien jetzt Mitglied der EU ist - und ich habe im Vorfeld davon gar nichts mitbekommen! Das war für mich Anlass, mich näher mit diesem Land zu befassen. Denn wenn “die” in die EU dürfen, müssen sie ja doch einige Gemeinsamkeiten mit uns haben: Werte, Wohlstand (?), Perspektiven. Die Ergebnisse meiner (noch sehr oberflächlichen) Recherchen sind dann aber doch so dünn (und dennoch interessant) ausgefallen, dass ich mich dazu entschlossen habe, im Sommer für zwei Wochen hin zu fahren und mir vor Ort ein eigenes Bild zu machen. Eine große Geschichte und interessante Kultur scheint das Land auf jeden Fall zu haben. Aber was geht da wirtschaftlich? Mit welchen sozialen Problemen müssen die Bulgarinnen und Bulgaren kämpfen? Und wo geht die Reise hin? Daraus folgt dann logischerweise die Frage, welche Chancen sich für uns daraus ergeben - und ob ich zu Lösungen beitragen kann.
Ich kann mir gut vorstellen, dass es dort Absatz- oder Finanzmärkte gibt, die für mich und Menschen in meinem Umfeld interessant sind. Aber wenn man nicht dort war, tut man sich schwer, verlässliche Informationen zu bekommen. Bei Onvista zum Beispiel gibt es Länderinformationen über nahezu alle Märkte der Erde. Aber welche Aktien in Sofia gehandelt werden, wissen die auch nicht. Offensichtlich ist der Markt also - zumindest für unsere Begriffe - sehr intransparent. Das ist per se schon eine Chance.
Am letzten Samstag habe ich (vermittelt über mitfahzentrale.de bzw. mitfahrgelegenheit.de) eine Mitfahrerin nach München dabei gehabt, die schon mal in Bulgarien war - und zwar nicht per Ballermann-Billig-Urlaub an der Schwarzmeerküste, sondern mit dem Rucksack quer durchs Land unterwegs. Ihrer Auskunft nach ist Bulgarien noch ganz am Anfang seiner Entwicklung. Es gebe wohl gewisse soziale Spannungen mit der unterdrückten Minderheit der Sinti und Roma. Insgesamt sei das Wohlstandsniveau noch deutlich unter unserem und auch spürbar unter dem anderer osteuropäischer Staaten wie Tschechien oder Slowenien. Das deckt sich mit den Informationen, die ich beispielsweise beim Fondskongress von Osteuropa-Experten wie der Österreichischen Raiffeisen Capital Management und im Nachhinein im Gespräch mit einem Vertreter von Meinl European Land erhalten habe.
Ich werde also in KW 29 und 30 mit dem Auto und dem Zelt im Kofferraum auf eigene Faust nach und quer durch Bulgarien fahren: Vom Rila-Gebirge über Sofia an die Schwarzmeerküste. Oder anders herum. Für Link-Tipps und interessante Kontakte bin ich wie immer dankbar!